Beitrag vom 9. April 2021
Laut einer 2019 veröffentlichten Umfrage der Fondsgesellschaft AGI halten drei von vier europäischen InvestorInnen Nachhaltigkeitskriterien für wichtig. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung des deutschen Marktes für nachhaltige Geldanlagen wider. In Deutschland liegt der Anteil der Befragten, welche auf Nachhaltigkeit Wert legen, bei 73%. Doch welche Zielgruppen lassen sich besonders gut durch nachhaltige Investments ansprechen? Mit dieser Frage setzt sich dieser Artikel auseinander und so viel lässt sich vorwegnehmen: Leicht ist diese Frage nicht zu beantworten.
Institutionelle und Private InvestorInnen
Grundsätzlich werden nachhaltige Investments für alle InvestorInnen immer attraktiver und interessanter. Zum einen durch das wachsende Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit (Fridays for Future, Regulatorien wie die Offenlegungsverordnung oder die MiFID 2 Richtlinie) und zum anderen durch die bescheinigten langfristigen Renditen eben solcher Anlagen. Das Forum nachhaltige Geldanlagen e.V. (FNG) stellt im aktuellen Marktbericht fest, dass nach wie vor die institutionellen InvestorInnen die stärksten Treiber für nachhaltige Investments sind (Marktanteil 89%).

Beachtlich ist allerdings die Entwicklung im Bereich der Privaten InvestorInnen: Im Vergleich zu 2018 legten die Privatinvestitionen in nachhaltige Geldanlagen ein Wachstum um beachtliche 96% hin. Ein Novum für den deutschen Markt, der nun bedient werden möchte.
Innerhalb der institutionellen InvestorInnen halten nach wie vor kirchliche Institutionen und Wohlfahrtsverbände die größten Anteile aller Fonds und Mandate. Einen starken Zuwachs verzeichnet nun allerdings auch die öffentliche Hand. In der nachfolgenden Übersicht sind die Veränderungen der Gruppenanteile von 2018 zu 2019 ersichtlich:

Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus spielen eine wichtige Rolle
Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus spielen in Deutschland eine besondere Rolle und machen circa 15 % der Nachhaltigen Geldanlagen aus. Die KundInnen-Einlagen dieser Banken summierten sich Ende 2019 zu 40,9 Mio. Euro. Das sind 5,62 % mehr als noch in 2018. Folglich sollten auch die privaten AnlegerInnen nicht unterschätzt werden. Diese lassen sich in drei unterschiedliche Zielgruppen aufteilen.

PrivatinvestorInnen im Überblick
Zeit einen Blick auf die Gruppe der PrivatanlegerInnen zu werfen: Die erste Zielgruppe sind die „klassischen Privatanleger“: Männlich, im Alter zwischen 40-59 und mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.500 € im Monat (Studie des NK Instituts). Die zwei anderen Zielgruppen sind Frauen und Millennials (geboren zwischen 1980 und 1996). Über deren Potential gibt es einige anerkannte internationale Studien. Laut dem amerikanischen Finanzunternehmen Morgan Stanley interessieren sich 84% der befragten Frauen in den USA sehr für nachhaltigen Geldanlagen, im Vergleich zu 67% der Männer. Ihre Motivation ist hierbei zum einen die Vorsorge für die eigene Zukunft und zum anderen die positiven Auswirkungen, die sie mit ihrem Ersparten erzielen können. Bei den Millennials sind die Zahlen noch signifikanter: 86% der Befragten interessieren sich für nachhaltige Geldanlagen, zudem investieren sie im Schnitt jetzt schon doppelt so viel Geld in nachhaltige Investments wie der Durchschnitt der amerikanischen Bevölkerung. Dies bestätigt auch eine weltweit durchgeführte Umfrage aus der Schroders Global Investors Study 2018, für die mehr als 22.000 AnlegerInnen in 30 Ländern zum Thema Nachhaltigkeit befragt wurden.
Nachhaltige Geldanlagen sind salonfähig geworden und nicht nur interessant für überzeugte NaturschützerInnen. Denn nachhaltige Geldanlagen bergen das Potential neue gesellschaftliche Gruppen als KundInnen zu gewinnen, für die neben der Rendite auch ein ökologischer und sozialer Impact einer getätigten Geldanlage eine Rolle spielt. Neben den oben vorgestellten Daten fragte der FNG Marktbericht 2020 dann auch die TeilnehmerInnen, welche Wachstumsprognose sie für nachhaltige Geldanlagen im laufenden Jahr 2020 abgeben würden. 61 % der Studien-TeilnehmerInnen prognostizierten ein Wachstum von 15 oder mehr Prozent. Das tatsächliche Wachstum und somit Potenzial nachhaltiger Geldanlagen überstieg dies bei Weitem: Laut der Statistik des Fondsverbandes BVI stieg das Volumen bis Ende 2020 auf 147 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum um 29 %. Zum Vergleich: Bei konventionellen Fonds betrug der Zuwachs nur knapp 3 Prozent.
Autorin: Elisabeth Schaper